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DRESDNER JAZZMEILE

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Weltweit größtes und ältestes Festival für Traditional Jazz

Die Geschichte des

INTERNATIONALEN DIXIELAND FESTIVALS Dresden


nach Texten von Klaus Wilk


René und Oliver Franc • Foto © Klaus Wilk

Teil 3 – Die Jahre 1991 bis 2000

Die 1990er Jahre zeigen ein Festival im Aufbruch: mit neuen Partnern, starken Jubiläen, Gospel in der Kreuzkirche, internationalen Gästen und einer Strahlkraft, die das INTERNATIONALEN DIXIELAND FESTIVALS Dresden bis zu einer halben Million Besucher führte.

Premiere für Gospel-Vesper und große Namen des Jazz

Die 1990er Jahre eröffneten für das INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL Dresden ein neues Kapitel. Trotz mancher Unsicherheit nach den Umbrüchen der Vorjahre brachte schon der 21. Dixie-Frühling das Festival wieder zum Blühen. Publikumslieblinge wie Bob Wallis begeisterten ebenso wie der weltbekannte Posaunist und Bandleader Chris Barber, der mit seiner Jazz and Blues Band den Song „Ice Cream“ auf die Bühne brachte – jenes Stück, das längst zu einer Hymne des Festivals geworden war.

Mit erfahrenen Formationen aus Deutschland und dem Ausland, darunter die Blue Wonder Jazzband, die Papa Binnes Jazzband, die Jazz-Optimisten Sonneberg und das Olivier Franc Quintett, zeigte sich früh, dass Dresden auch im neuen Jahrzehnt ein fester Treffpunkt der Oldtime-Szene bleiben würde. Insgesamt 19 Bands aus elf Ländern machten deutlich, dass das Festival seinen internationalen Rang behauptet hatte.

Festival-Macher auf Förderer-Suche

Die Organisatoren mussten sich nun stärker denn je um Partner und Förderer bemühen. Namen wie Erich Knebel, Ulrich Prochnow, Wolfgang Grösel und Joachim Schlese stehen für eine Phase, in der das Festival nicht nur musikalisch, sondern auch organisatorisch neu abgesichert werden musste. Mit großem Einsatz gelang es, Unterstützer zu gewinnen und das Festival nicht nur zu retten, sondern weiterzuentwickeln.

Schon der „Dixie-Auftakt ’92“ im Kulturpalast zeigte, dass die Dresdner Jazzfreunde ihrem Festival treu geblieben waren. Viele Wochen vor dem eigentlichen Beginn des 22. Festivals bot dieser Abend einen Vorgeschmack auf die kommenden Maitage. Die Musik reichte bis weit nach Mitternacht, und einmal mehr wurde deutlich, dass das Festival von einer eigenen, unverwechselbaren Atmosphäre lebte.

Erfolg mit „Dixie-Auftakt ’92“

Rückblickend erwies sich dieser Auftakt als kluge und vorausschauende Idee. Das Format zeigte, wie gut sich Vorfreude, Bindung an das Publikum und Dresdner Jazztradition miteinander verbinden ließen. Die enge Verbindung zum Kulturpalast blieb dabei ein wichtiges Stück Festivalidentität – auch wenn sich die Spielstätte in späteren Jahren grundlegend veränderte.

Gerade in dieser Zeit zeigte sich, wie stark das INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL Dresden mit seinen Orten verbunden war. Die historischen Räume, die vertrauten Bühnen und das Publikum bildeten gemeinsam einen Resonanzraum, der weit über einzelne Konzerte hinauswies.

„In der Kirche war der Teufel los“ – erste Gospel-Vesper mit 4.500 Besuchern

Ein Höhepunkt des Jahrzehnts war die erste Gospel-Vesper in der Dresdner Kreuzkirche. 4.500 Besucher erlebten dort einen konzertanten Gottesdienst mit den Jackson Singers, der sich tief ins Gedächtnis der Festivalgeschichte einschrieb. Spirituals, Gospels und religiöse Balladen sorgten für eine elektrisierende Atmosphäre, die selbst in diesem ehrwürdigen Raum ungewöhnlich war.

Die Vesper setzte einen Glanzpunkt, der weit über das einzelne Konzert hinausstrahlte. Gemeinsam mit weiteren Programmhöhepunkten, darunter die European Dixieland All Stars um Oscar Klein und Charly Antolini, trug sie dazu bei, dass Dresden erneut als „Hauptstadt des Dixieland“ wahrgenommen wurde. Das Festival erreichte erstmals mehr als 100.000 Zuschauer und öffnete sich zugleich neuen Formaten und Publikumsschichten.

Applaus für die New Orleans All Stars und die New Moscow Jazz Band

Auch die folgenden Jahre brachten große Namen und starke emotionale Momente. Die New Orleans All Stars reisten mit viel Aufwand nach Dresden und wurden mit Spannung erwartet. Ihre Premiere an der Elbe endete mit einem Auftritt, der das Publikum tief bewegte. Ebenso sorgten die New Moscow Jazz Band, Ron Ringwoods Gospel Messengers und Etta Cameron mit den Voices of Joy für begeisterte Reaktionen.

1994 wirkte in vieler Hinsicht wie eine Generalprobe für das anstehende Jubiläum. Die Resonanz war groß, die Konzerte ausverkauft, und die Veranstalter konnten rund 250.000 Interessenten, Besucher und Mitwirkende zählen. Das Festival war nun endgültig wieder auf voller Höhe angekommen.

Ein Vierteljahrhundert INTERNATIONALES DIXIELAND FESTIVAL

1995 feierte das Festival sein 25-jähriges Bestehen – ein Jubiläum von europäischem Rang. Über 30 Bands und Solisten wurden eingeladen, internationale Spitzenformationen prägten das Programm, und mit rund einer halben Million Besuchern und Mitwirkenden erreichte das Festival eine Größenordnung, die seine Sonderstellung eindrucksvoll bestätigte.

Zu den Höhepunkten zählten unter anderem die Camellia Jazz Band of New Orleans, Addi Münsters Old Merry Tale Jazzband, Pete Allen und die European Dixieland All Stars. Das Publikum dankte es mit großer Begeisterung, und exklusive Erinnerungsstücke wie der Dresdner Dixie-Stadt-Taler unterstrichen den Charakter dieses Jubiläums als Festival der Superlative. Addi Münster brachte die Stimmung auf den Punkt, als er das Ereignis als ein Festival beschrieb, das weltweit seinesgleichen suche.

Jubiläums-Drive in die nächsten Jahrgänge

Die Energie des Jubiläums trug das Festival in die folgenden Jahrgänge. Hunderte Jazzmusiker aus vielen Ländern sorgten weiterhin für mitreißende Maitage, die von Swing über Blues bis Boogie-Woogie reichten. Neue Gäste aus Russland, Indonesien, Großbritannien und den USA erweiterten das Profil des Festivals, ohne dessen musikalischen Kern zu verwässern.

Auch das Publikum blieb dem Festival in besonderer Weise verbunden. Der Vorverkauf entwickelte sich erneut zu einem Ritual, bei dem treue Dixie-Fans stundenlang ausharrten und das Warten selbst als Teil des Festivalerlebnisses verstanden. Das INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL Dresden war in diesen Jahren nicht nur Konzertprogramm, sondern gelebte Gemeinschaft.

Von der Frauenkirche bis zum Jubiläum 2000

Gegen Ende des Jahrzehnts verband sich das Festival noch stärker mit der Stadt und ihren Symbolen. Die Lamarotte Jazzband fiel nicht nur musikalisch auf, sondern setzte mit einer Spende für den Wiederaufbau der Frauenkirche auch ein Zeichen. Beim 36. Festival gehörten Brassbands zu jenen Formationen, die rund um das wiedererstehende Bauwerk spielten und damit Musik, Stadtgeschichte und Solidarität sichtbar miteinander verbanden.

1999 stimmten fast 300 Musiker aus 16 Ländern auf das nächste Jubiläum ein. Gospel-Konzerte in der Kreuzkirche, neue internationale Gäste und der Versuch, bei der Abschlussparade als „größte Dixieland-Band“ gemeinsam die Bourbon Street Parade zu spielen, machten deutlich, mit welchem Schwung das Festival ins Jahr 2000 aufbrach. Die 1990er Jahre hatten gezeigt, dass das INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL Dresden seine Geschichte nicht nur fortschrieb, sondern neu belebte.