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DRESDNER JAZZMEILE

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Weltweit größtes und ältestes Festival für Traditional Jazz

Die Geschichte des

INTERNATIONALEN DIXIELAND FESTIVALS Dresden


nach Texten von Klaus Wilk


Lamarotte (NL) am Königsufer • Foto © Bernd Eisert

Teil 4 – Die Jahre 2001 bis 2010

Die 2000er Jahre führen das INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL Dresden in ein neues Jahrzehnt voller Premieren, neuer Spielstätten, großer Solidarität und besonderer Herausforderungen – von Tram-Touren und Swinging Airport bis zu Hochwasser, Benefizkonzert und dem Umzug ans Königsufer.

Dresden All Stars eröffnen ein neues Festivaljahrzehnt

Nach dem „Festival-Grandioso 2000“ begann für das INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL Dresden ein weiteres Jahrzehnt mit einem klangvollen Aufbruch. Die Dresden All Stars eröffneten das Festival im Staatsschauspielhaus und machten mit stilvoll interpretierten traditionellen Titeln deutlich, dass die Verbindung von Dresdner Klasse, musikalischer Erfahrung und Festivaltradition weiterhin das Fundament dieses Musikfestes bildete.

Bekannte Namen der Dresdner Szene wie Klaus-Georg Eulitz, Frank Geipel, Klaus Schumann, Frank Bartsch, Rüdiger Krause, Tom Götze und Günter Hörig standen exemplarisch für eine Generation von Musikern, die das Profil des Festivals über viele Jahre geprägt hatten. Damit startete das vierte Jahrzehnt des Festivals ebenso festlich wie selbstbewusst.

Neue Spielstätten und frische Formate

Mit der Cluskey Hopkins Jazzband aus Irland kam endlich eine Formation von der „Grünen Insel“ nach Sachsen und brachte mit ihrer „Guinness Jazzshow“ frischen Schwung ins Programm. Zugleich erinnerte „Dixie auf dem Campus“ an frühe Wurzeln des Festivals und machte die Technische Universität mit Konzerten in Hörsälen und Foyers zur Bühne für Ragtime, Dixie, Blues, Boogie-Woogie und Swing.

Auch die Oldtime Jazz Tram-Fete erwies sich als besonders einfallsreiche Erweiterung des Festivalgeschehens. Der historische Hechtwagen von 1931 und weitere Straßenbahnen wurden zu rollenden Bühnen, auf denen Bands aus mehreren Ländern spielten. Das Publikum reagierte begeistert – und die Fahrt durch Dresden wurde zu einem jener Programmpunkte, die man sofort wieder erleben wollte.

Ein halbe Million Besucher – und die Schatten der Flut

Im Folgejahr schien das Festival zunächst keine Wünsche offen zu lassen. Rund eine halbe Million Liebhaber des Dixieland kamen nach Dresden, um Konzerte, Umzüge und offene Veranstaltungen zu erleben. Doch 2002 erhielt das Thema Wasser eine bedrückende neue Dimension. Noch während bei den Festivalveranstaltungen Regenschirme das Bild prägten, ahnte niemand, wie stark die Flutkatastrophe wenige Monate später die Stadt und auch das Festival treffen würde.

Die Schäden an Spielstätten, Proberäumen, Instrumentenlagern und Kellern hinterließen direkte und indirekte Spuren. Das Festival musste erfahren, wie verletzlich selbst eine über Jahrzehnte gewachsene kulturelle Struktur sein kann. Dennoch blieb die Reaktion nicht Resignation, sondern der Wille, neue Kräfte zu mobilisieren.

„Musikalische Luftfracht“ und neue Höhepunkte im Programm

Mit dem Flughafen Dresden gewann das Festival eine spektakuläre neue Spielstätte. Unter dem Titel „Blues, Boogie & Swing“ entstand dort eine Art musikalische Luftfracht auf verschiedenen Ebenen und Rolltreppen, die beim Publikum so gut ankam, dass daraus in den Folgejahren der „Swinging Airport“ wurde. Diese Verbindung aus ungewöhnlichem Ort und lebendiger Musik brachte dem Festival zusätzlichen Glanz.

Gleichzeitig erweiterten Programme wie Dixie-Nacht, Boogie-Woogie-Express, Dixie-Party, Dixie-Pub, Dixie-Varieté und Gospelkonzerte die Vielfalt des Festivals. Internationale Gäste wie Society Syncopaters, Rod Mason’s Hot Five, Lyzzi Melon, Thomas Stelzer und Errol Dixon verliehen dem Programm besondere Farbe. Das Festival blieb seinen Wurzeln treu und erfand sich zugleich immer wieder neu.

Benefiz-Konzert brachte Hilfe für New Orleans

Als Hurrikan Katrina im Jahr 2005 New Orleans schwer traf, reagierte auch Dresden mit großer Solidarität. Die Festivalleitung initiierte ein Benefizkonzert, an dem zahlreiche Musiker beteiligt waren. Mit 1.000 Gästen und 100 Musikern wurde dieser Abend selbst zu einem kleinen Festival und zugleich zu einem sichtbaren Zeichen der Verbundenheit mit der Geburtsstadt des Jazz.

Die Spendensumme von 10.000 Euro konnte später als Hilfe für betroffene Studierende der University of Southern Mississippi übergeben werden. Damit zeigte das INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL Dresden, dass Jazz hier nicht nur als Musik, sondern auch als gelebte Verantwortung verstanden wurde.

Im Brass-Rhythmus rund um die Frauenkirche

Ein weiterer Höhepunkt war die erste Dresdner Brass-Band-Parade rund um die wiederaufgebaute Frauenkirche. Formationen aus Deutschland, Dänemark und den Niederlanden zogen unter dem Motto „Dresden marschiert für New Orleans“ durch das Zentrum und wurden von Tausenden begeistert empfangen. Die Parade verband Musik, Stadtraum und internationale Solidarität in einer Weise, die dem Festival ein neues Gesicht gab.

Gleichzeitig zeigte sich, wie stark das Festival inzwischen mit den Symbolorten Dresdens verwachsen war. Die Frauenkirche, der Neumarkt und die Elbe wurden nicht nur Kulissen, sondern aktive Resonanzräume dieses Musikfestes.

Kulturpalast dicht – Sarrasani rettet das Festival

Wenige Wochen vor einem der folgenden Festivaljahrgänge traf die Veranstalter ein Schock: Der Kulturpalast, wichtigste Spielstätte des Festivals, wurde über Nacht geschlossen. Großveranstaltungen standen plötzlich ohne Saal da, Alternativen waren nicht in Sicht, und die Zukunft der laufenden Planung schien ernsthaft gefährdet.

Doch erneut bewies das Festival-Team Improvisationskraft und Beharrlichkeit. Nachdem verschiedene Ausweichorte abgesagt hatten, sprang das Varieté-Theater Sarrasani ein. Das große Gala-Zelt wurde zur Rettung in der Not, „Dixieland unterm Chapiteau“ wurde neu belebt, und das Publikum dankte mit großer Sympathie. Aus einer Krise wurde ein emotionaler Erfolg.

Verjüngung und neue Generationen

Gegen Ende des Jahrzehnts richtete sich der Blick immer stärker auf die Zukunft. Joachim Schlese sprach offen davon, junge Musikerinnen und Musiker stärker einzubinden und dem Festival frisches Blut zuzuführen. Die Blue Dragons Jazzband aus Dresden und später auch die Jazzbanausen aus Chemnitz standen exemplarisch für diesen Generationenwechsel.

Gerade darin lag eine wichtige Botschaft: Das INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL Dresden wollte nicht museal werden, sondern lebendig bleiben. Die Tradition sollte nicht bewahrt werden, indem man sie einfriert, sondern indem man sie weitergibt.

Erstmaliger Umzug über die Elbe aufs Königsufer

Das 40. Festival brachte noch einmal festlich-fröhliche Größe auf die Straßen Dresdens. Rund 40 Bands und Solisten aus einem Dutzend Ländern von drei Kontinenten traten auf und verwandelten die Stadt in eine einzige Bühne. Mit „Dixie-Fieber 40 Grad – und es tanzt die ganze Stadt“ bekam dieses Jubiläum sogar einen eigenen musikalischen Gruß aus Dresden.

Zum ersten Mal führte der Oldtime-Jazz-Abschlussumzug über die Elbe aufs Königsufer. Damit öffnete sich das Festival räumlich neuen Möglichkeiten und fand zugleich einen eindrucksvollen Ort für die abschließende Jam-Session. Tausende bejubelten die rollenden Bands und ihre hundert Stunden Dixieland. Das Jahrzehnt endete mit einem unmissverständlichen Signal: Auf zum 50. INTERNATIONALE DIXIELAND FESTIVAL.